Wie man seine Sommerreflektionen in den Alltag rettet


„Endlich die Seele baumeln lassen – und dann wieder zurück ins Hamsterrad? Wie retten wir unsere Gedanken aus der sommerlichen Entspannung in eine zufriedenere Zukunft? Wie funktioniert nachhaltige Selbstreflektion? Und was bewirkt sie im besten Fall?“



Wer kennt das nicht? Man liegt im Urlaub am Strand, macht eine Bergwanderung, spaziert durch den Wald, macht einen Mittagsschlaf oder man macht einfach nichts. Und plötzlich kommen Gedanken auf, man denkt über Vergangenes, über Aktuelles oder über die Zukunft nach. Ganz unbewusst. Man lässt seine Seele baumeln. Wie einst Tucholsky vor 90 Jahren. In seiner heiter melancholischen Liebesgeschichte „Schloss Gripsholm“ verbringt Tucholsky seinen Sommerurlaub mit seiner Freundin in Schweden. Weitestgehend mit Nichtstun. In seiner Erzählung heißt es dann “Wir lagen auf der Wiese und baumelten mit der Seele“.


Die Seele baumeln lassen, oder seinen Gedanken freien Lauf zu lassen ist eine Art der Selbstreflektion, die oft mit Sommer und Urlaub verbunden ist. Wir haben Pause vom Alltag. Wir können mal nichts tun und uns ausruhen. Unbeschwert sein. Dem Stress des Alltags entkommen. Und dann kann es passieren, dass unsere Gedanken sich verselbständigen. Plötzlich und ohne dass wir es geplant haben. Denn Selbstreflektion ist ein Denkprozess, der Ruhe benötigt. Plötzlich wird uns vieles klarer, wir begeben uns auf eine Reise in unser Unterbewusstsein. Es ist als ob wir in einen Fahrstuhl steigen und in unser Unterbewusstsein hinabfahren. Dort sehen wir, wie unser Denken, unser Handeln und unsere Entscheidungen entstehen und gelenkt werden.


Allerdings bleibt es bei vielen von uns bei der eher zufälligen Selbstreflektion im Sommerurlaub. Wir nehmen uns zwar ein paar der Ideen und Gedanken mit auf die Rückreise, aber schreiben sie uns selten auf und sind schon nach wenigen Tagen zurück in unserer Alltagsroutine. Unsere guten Vorsätze sind schnell wieder vergessen, die Sommerreflektion wirkt selten nachhaltig. Was aber kannst Du tun, wenn Du die Gedanken des Sommers weiterverfolgen und dich nachhaltig weiterentwickeln möchtest? Wenn du den Wunsch hast, deine Lebensfreude über den Urlaub hinaus zu steigern und langfristig glücklich zu werden? Wie wäre es, wenn du dich selber und den Mechanismus der Entscheidungslenkung besser verstehen könntest und damit dein Verhalten und dein Leben in die richtigen Bahnen lenken könntest?



Nachhaltige Selbstreflektion als kontinuierlicher Prozess


Selbstreflektion ist die Voraussetzung dafür, dass du dich selber kennen lernst und aus deinen alten Gedankenmustern ausbrechen kannst. Dazu ist es hilfreich, dein Verhalten aus einer Vogelperspektive zu betrachten. Ob und wie du reflektierst, bleibt letztlich dir selber überlassen. Abgesehen von der oben beschriebenen Urlaubssituation kannst du im Alltag bewusst beim Spazierengehen, beim Meditieren, beim Musikhören, beim Lesen, beim Schlafen, unter der Dusche oder in der Badewanne, beim Joggen oder beim Nichtstun auf der Couch reflektieren. Aller Anfang ist dabei schwer. Aber Selbstreflektion lässt sich – wie so vieles im Leben - lernen und trainieren. Selbstreflektion kannst du alleine oder mit Unterstützung durch einen Coach, Mentor oder Freund machen. Du kannst zudem in Seminaren oder Workshops Techniken zur Selbstreflektion lernen und ausprobieren.


Wichtig ist in jedem Fall, Selbstreflektion als einen längeren Prozess zu verstehen. Wir wachen selten auf und bemerken plötzlich fundamentale Veränderungen in uns. Denn wir verändern uns zwar kontinuierlich, aber langsam. Was uns mit 18 glücklich machte, macht uns viele Jahre später nicht mehr glücklich. Den eigenen Veränderungsprozess zu verstehen und zu verfolgen hilft uns, bessere Entscheidungen für die Zukunft zu treffen.


Wenn du beginnst, solltest du dein Leben zunächst als Gesamtheit reflektieren und eher grundsätzliche und daher langfristige Ziele setzen. Anschließend daran dann mittel- und kurzfristige Ziele, die du täglich verfolgen solltest, z.B. in Form von Tagebüchern. Mit verschiedenen Routinen kann man kleine und ganz konkrete Handlungen in den Alltag integrieren und sein Leben erfüllender gestalten.


Dazu einige Anregungen:


Journaling:

Das sogenannte „Journaling“ hat nachweisbar enorme positive Effekte auf Psyche und Gesundheit. Durch Schreiben wird nachweislich die linke, analytische Gehirnhälfte beschäftigt, sodass die rechte, kreative Gehirnhälfte zum Zug kommen kann. So werden durch das Schreiben Themen aus dem Unterbewusstsein hervorgeholt, auf die man durch reines Nachdenken eher nicht gekommen wäre. Wichtig dabei ist es auf echtem Papier zu schreiben (z.B. dem 6-Minuten Tagebuch).


Meditation:

Ob man es „Gebet“ oder „Meditation“ nennt, ist zweitrangig. In beiden Fällen findet man innere Ruhe und gewinnt Klarheit im Geist. Mit ein wenig Übung kann man dabei Antworten auf brennende Fragen finden sowie an mentaler Stärke gewinnen.


Spazieren/Wandern/Laufen:

Bewegung in der Natur hat zahlreiche Vorteile und ist nicht nur für den Körper gut. Gerade in Zeiten von Home Office und mangelnder Bewegung werden Geist und Sinne aktiviert, unsere Kreativität und unsere Konzentration gefördert. Bewegung führt zudem zu Stressabbau und steigert unser Selbstwert- und Körpergefühl.


Selbstgespräche:

Selbstgespräche fungieren wie ein Ventil: Wut, Trauer und Frust können sich so erst gar nicht in uns hineinfressen. Unklare Gedanken und Gefühle werden in Worte gefasst und sortiert und Entscheidungen erleichtert.


Morgenroutine:

Sogenannte „Morning Pages“ sind eine freie Form des Brainstormings. Dabei wird morgens nach dem Aufstehen handschriftlich und ganz intuitiv geschrieben, ohne sich vorher Gedanken über Thema und Stil zu machen. Durch diese „Gedankenentleerung“ kommen viele zu erstaunlichen Erkenntnissen über sich selbst.


Routine nach der Arbeit:

Um die mitunter vielen Themen aus der Arbeitswelt auch dort zu lassen, sollte man am Ende eines Arbeitstages Bilanz ziehen über das am Tag Erreichte. Zugleich erstellt man eine To-do Liste für den nächsten Tag.


Abendroutine:

Vor dem Schlafen gehen bietet es sich an, den Tag Revue passieren zu lassen und sich ein paar Notizen dazu aufzuschreiben. In einem Tagebuch oder Bullet Journal. Was ist gut gelaufen? Was war Dein größter Erfolg? Wofür bist Du dankbar?



Was kann nachhaltige Selbstreflektion bewirken?


Zum Schluss einige mögliche Ergebnisse ehrlicher, selbstkritischer, gewollter und wirklich ernst genommener Selbstreflektion.

  1. Du bekommst Klarheit darüber, was du wirklich willst und was für dein Leben wesentlich ist.

  2. Du lernst dich besser kennen und verstehen, darunter deine Stärken, deine Schwächen, deine Kompetenzen, deine Wertvorstellungen, deine beruflichen und privaten Motivationen, deine Talente und Skills, deinen Charakter und deine Persönlichkeit

  3. Du trainierst strukturiertes und analytisches Denken.

  4. Du schöpfst deine Potenziale aus und erreichst mehr.

  5. Du nutzt deine Erfahrungsschätze und lernst aus Fehlern.

  6. Du bekommst Klarheit über dein Wirken und deine Wirkung.

  7. Du bringst Arbeitszeit und Lebenszeit in Einklang.

  8. Du lernst achtsamer mit dir umzugehen.

  9. Du überwindest Selbstzweifel und Ängste und lernst positives Denken.

  10. Du lebst bewusster, wirst zufriedener, glücklicher, erfüllter, dankbarer und wirst insgesamt ein besserer Mensch.


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