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Ist Dankbarkeit wirklich so wichtig?

Aktualisiert: 14. Nov.


Wenn ja - Warum sollten sich Führungskräfte mit dem Thema beschäftigen? Was ist gelebte Dankbarkeit? Welche Wirkung hat sie Und welche wirkung hat Undankbarkeit?



In einem meiner kürzlichen Gruppencoachings ging es um das Thema positive bzw. moderne Führung. Als wir dabei neben Themen wie Feedback, Wertschätzung, Engagement, Kommunikation und gute Beziehungen mit den Mitarbeitern das Thema Dankbarkeit ansprachen, konnte sich einer der Teilnehmer nicht mehr zurückhalten. Ihm würde es sehr schwerfallen, seinen Mitarbeitern gegenüber dankbar für etwas zu sein, was doch eigentlich selbstverständlich sein sollte. Schließlich bekämen sie ja sehr gut bezahlt für ihre Arbeit. Warum sollte er sich dafür auch noch bedanken? Außerdem sei er dermaßen unter Wasser, das er dafür eh keine Zeit hätte. Es war also an der Zeit, das Thema Dankbarkeit einmal etwas intensiver in der Gruppe zu besprechen.


Ohne dabei zu sehr ins Detail zu gehen: wenn man sich intensiv mit der Coaching Theorie auseinandersetzt, dann stößt man unweigerlich irgendwann auf Dr. Martin Seligmann, einem der Begründer der positiven Psychologie. Die allgemeine Psychologie hatte sich nach dem 2. Weltkrieg fast ausschließlich mit den negativen Aspekten des menschlichen Lebens beschäftigt, also mit psychischen Erkrankungen wie Angst und Depressionen. Heute wie damals ein sehr wichtiges Thema. Aber Seligmann wollte sich nicht damit zufriedengeben, dass wir auf einer Skala von -10 (todunglücklich) bis +10 (superglücklich) lediglich versuchen auf eine Null zu kommen. Seine These war, dass die meisten Menschen eigentlich ganz zufrieden mit ihrem Leben sind. Seine Hauptfrage war daher eher, wie man von einer + 3 auf +5 oder höher kommt. Also eher, wie man gedeihende Blumen zum Aufblühen bringt anstatt verwelkende wieder zum Gedeihen. Was aber hat dies mit dem Thema Dankbarkeit zu tun?


Nun, im Zuge seiner wissenschaftlichen Forschungen kam Seligmann auf die heute wohl unbestrittene Erkenntnis, dass Dankbarkeit von fundamentaler Bedeutung für das persönliche Wohl- und Glücksempfinden der Menschen ist. Und dass materielle Faktoren wie Wohlstand oder gesellschaftlicher Status langfristig zwar nicht unwichtig, aber nicht so entscheidend sind für das persönliche Glück wie wir es uns vielleicht vorstellen. Bewiesen wurde auch, dass Beziehungen zu anderen Menschen von übergeordneter Bedeutung für das persönliche Wohlbefinden sind. Und das Dankbarkeit von jedem erlernbar und keine Frage des Schicksals ist.


Was ist Dankbarkeit?

Dankbarkeit ist ein Gefühlt, das auf zwei Ebenen auftritt. Einerseits ist Dankbarkeit die Anerkennung und Wertschätzung einem anderen Menschen gegenüber für einen Gefallen. Etwas, was wir von einem anderen Menschen erhalten haben und was wir für nicht selbstverständlich halten. Wir drücken unseren Respekt dem anderen Menschen und seinen Taten durch unsere Dankbarkeit aus. Beim Empfänger wirken Wörter wie „Danke“ oder „Dankeschön“ anerkennend. Sie sorgen dafür, dass er sich respektiert fühlt. Er merkt, dass wir sein Bemühen honorieren und freut sich.


Aber Dankbarkeit ist nicht nur das „Dankschön“ für Unterstützung und Hilfe von unseren Mitmenschen. Echte Dankbarkeit kann auch ein Lebensgefühl sein. Ein ständiges Empfinden für die positiven Dinge des Lebens dankbar zu sein. Um das Empfinden von Dankbarkeit ging es bei Seligmann und anderen Wissenschaftlern, die sich mit dem Phänomen der Wirkung von Dankbarkeit auf den Gemütszustand wissenschaftlich auseinandergesetzt haben. Es gibt inzwischen zahlreiche wissenschaftliche Studien, die die positive Wirkung der Dankbarkeit auf Gehirn, Gesundheit und Lebenszufriedenheit nachweisen: Dankbare Menschen sind optimistischer, glücklicher, einfühlsamer, fitter, gesünder und belastbarer als andere. Dabei ist es nicht entscheidend, ob man extrem dankbar ist oder nur ein wenig. Wichtig ist es, dass man überhaupt in irgendeiner Form regelmäßig Dankbarkeit empfindet. Echte Dankbarkeit. Authentisch. Als Lebenseinstellung.


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„Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind“ (Francis Bacon)

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Was ändert sich bei echter Dankbarkeit?

Wer wirklich dankbar ist, der erlebt nicht nur kurzfristig ein Gefühl der Zufriedenheit und Freude. Dankbarkeit wird mit der Zeit zum Zustand. Die insgesamt positive Grundstimmung, die Dankbarkeit erzeugt, führt zu einem sogenannten „Broaden-and-Built-Effekt“. Kurz gesagt bedeutet dies, dass gelebte Dankbarkeit neben besserer Gesundheit weitere positive Effekte nach sich zieht. Sowohl für sich selber, als auch für denjenigen, denen Dankbarkeit gegenüber ausgesprochen wird. Einige Beispiele:


Wer dankbar ist, kann zum Beispiel positive Gefühle mehr genießen und lässt langfristig negative Erlebnisse weniger an sich herankommen. Wer dankbar ist, kann sein Leben mehr wertschätzen, insbesondere die kleinen Dinge des Lebens. Wer dankbar ist, hat ein erhöhtes Selbstwertgefühl und kann leichter mit Belastungen und Stress umgehen. Wer dankbar ist, ist selbstbewusster und strahlt Zufriedenheit aus. Wer dankbar ist, hat weniger Ängste und schläft besser. Wer dankbar ist, reagiert gelassener auf Veränderungen und Krisen. Wer dankbar ist, wird resilienter und kann leichter mit Belastungen und Stress umgehen. Wer dankbar ist, kann leichter gute persönliche Beziehungen aufbauen und aufrechterhalten.

Dankbarkeit für Führungskräfte

Die angesprochenen positiven Effekte von gelebter Dankbarkeit bestreffen einerseits die Führungskräfte als Person selber. Aber die durch Führungskräfte gelebte und ausgesprochene Dankbarkeit hat auch einen nicht zu unterschätzenden Effekt auf das Betriebsklima und die Zufriedenheit der Mitarbeiter.

Insbesondere wenn viel remote im Homeoffice gearbeitet erleben Mitarbeiter statt Gesprächen und persönlichem Austausch viel Einsamkeit und einen Zoom Call nach dem anderen. Dazu kommen aktuell Krieg, Klima und Energie-Krisen sowie überall steigende Preise. Einige Mitarbeiter kommen damit gut klar, andere hingegen kämpfen mit Ängsten, fühlen sich überfordert, zu wenig wertgeschätzt und von ihren Kollegen durch die räumliche Trennung abgeschnitten.


Für Führungskräfte ist es unter diesen Umständen daher besonders wichtig, sich seinen Mitarbeitern zu widmen und trotz aller Krisen Dankbarkeit zu zeigen. Jeder Mitarbeiter sollte hören, dass sein Engagement wahrgenommen wird und dass es einen Unterschied macht. Darüber hinaus wirkt sich Dankbarkeit auf das Selbstwertgefühl der Mitarbeiter, das Erreichen von Karrierezielen, die Zusammenarbeit im Team, Produktivität und die Belastbarkeit aus. Ganz zu schweigen von der insgesamt angenehmeren Stimmung und der damit einhergehenden Chance für eine geringere Fluktuation.


Was passiert bei Undankbarkeit?

Abschließend: Ohne Dankbarkeit entwickelt sich oft eine Mängelsicht: Das Leben besteht vor allem aus Negativem, aus Fehlendem, aus Leere. Wer sich und seine Umwelt so wahrnimmt, kann nur unzufrieden, neidisch und unglücklich werden. Für diese Menschen ist das Gras nebenan immer grüner, der Himmel nebenan blauer und das Auto des Nachbarn sowieso immer besser.


Und mehr noch: Undank kann zum auch Karrierekiller werden. Undank ist mangelnde Erkenntlichkeit und fehlende Dankbarkeit für Unterstützung. Zum Beispiel indem man den Erfolg eines Teams für sich in Anspruch nimmt und verschweigt, dass daran (auch) andere beteiligt waren.




PS: Am Ende unseres Gruppencoachings und nach intensiver Diskussion fasste der zunächst skeptische und nicht überzeugte Teilnehmer den Entschluss, sich dem Thema Dankbarkeit anzunehmen. Wir besprachen im Anschluss verschiedene Strategien, was er tun könnte um selber mehr Dankbarkeit in seinen eigenen Alltag einfließen zu lassen und wie er zudem seinen Mitarbeitern echte Wertschätzung zum Ausdruck bringen könnte.


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