Warum ich Business Coach wurde

Warum man nach einer langen Karriere noch einmal etwas Neues beginnt, anstatt seine Zeit auf dem Golfplatz zu verbringen



Es geschah an einem warmen, sonnigen Samstagnachmittag im Juni 1997. Ich saß an einem Biertisch, mit einem frisch gezapften Bier und ein wunderbar duftender Grillteller stand vor mir auf dem Tisch. Links das wilde, rauschende und laute Wasser des Inn, rechts eine steil aufragende Felswand im warmen Licht der Abendsonne. Um mich herum schaute ich in Gesichter von jungen Menschen. Sie sahen irgendwie müde und erschöpft aus, aber gleichzeitig auch total glücklich und vollkommen beseelt. Ein besseres Gefühl kann es auf der Welt nicht geben, dachte ich. Und ich sollte Recht behalten. Was aber war passiert?


Ich wohnte in Hamburg und hatte 12 Jahre in einer der größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften gearbeitet. Zunächst einmal hatte ich viel Arbeit, war oft auf Reisen, viele neue Aufgaben und viele neue Mandanten. Ich begann als Assistent, bestand Examina zum Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, gründete eine Familie, sorgte mich um Eltern und Freunde, so gut es irgendwie ging und soweit es die Zeit erlaubte. Neben der Arbeit mit tollen Kollegen begeisterte mich aber schon damals das Lernen und Weitergeben von Erfahrungen.


Daher begann ich mich als interner Trainer zu engagieren. Das bedeutete sich viel Zeit für die Vorbereitung zu nehmen, jährlich eine Gruppe von über 100 junge Kollegen zu trainieren und zu betreuen, Trainerkollegen anzuleiten, sich um die Logistik zu kümmern und dafür zu sorgen, dass neben dem Vermitteln von Wissen die sozialen Kontakte in den Zeiten außerhalb des Unterrichts nicht zu kurz kommen. Denn nur so funktioniert Gemeinschaft. Nur so werden aus Bekanntschaften Freundschaften und gut funktionierende Teams. Und nur so bildet man die Grundlage für ein sinnerfülltes und glückliches Arbeitsleben.


„Lass Dich nicht unterkriegen – auch wenn der ganze Fluss gegen dich ist“

Ich entschloss mich daher am Wochenende mit über 100 Teilnehmern zu einer Rafting Tour im Inntal in Österreich. Keine Ahnung was uns dort wirklich erwartete. Das Motto der Rafting Tour lautete: „Lass Dich nicht unterkriegen – auch wenn der ganze Fluss gegen dich ist“. Und uns wurde klargemacht: Ihr werdet nass. Richtig nass. Und so stiegen wir in Neoprenanzüge und wurden auf die wilden Fluten vorbereitet. Die rauschende Gischt des Inn hatte nur eines im Sinn: Unsere Schlauchboote mit Strudeln, Stromschnellen und Wasserwalzen zum Kentern zu bringen. Was auch gelang. Immer wieder gingen Teilnehmer über Bord und kenterten Boote in den wilden Fluten. Es war wild.


Aber gerade in diesen Momenten kam es auf jeden im Team an, jeder musste jeden unterstützen. Und so geschah es auch. Über Bord gegangene Kollegen wurden ins Boot zurückgezogen, Boote gemeinsam aufgerichtet und danach viel sicherer durch die Fluten manövriert. Nach 2 Stunden „Überlebenskampf“, nass wie ein Pudel und müde und erschöpft vom Kampf gegen die Naturgewalten hatten wir unser Barbeque und unser Bier wohl verdient. Alle waren happy und zufrieden und als Team viel enger zusammengerückt als je zuvor.


„Ich habe in meinem Leben immer viel gegeben. Aber das Leben hat mir auch viel zurückgegeben. Das passiert, wenn man das Leben lebt, das man leben möchte.“

Ich wurde danach zum Partner befördert, durfte 5 tolle Jahre in den USA arbeiten und begann nach meiner Rückkehr nach Deutschland in Berlin ein neues Leben aufzubauen. Zunächst als Audit Partner mit Verantwortung für den Bereich Gesundheitswirtschaft, dann als Initiator der Startup Initiative in Berlin und die DACH Region mit über 600 Kollegen. In dieser Zeit habe ich einerseits mit vielen etablierten Unternehmen zusammengearbeitet, andererseits auch mit sehr vielen Gründern zu tun gehabt und ihre Startups durch schwierige Wachstumsphasen begleitet.


Zum Ende meiner Karriere war ich für über 250 Mitarbeiter verantwortlich. Die Abteilung entstand aus einer langen und schwierigen Zeit ohne richtige Führung und wenig Verständnis für „New Work“ Themen. Wir begannen viele einfache Veränderungen einzuführen und konnten den Engagement Index bis zu meinem Ausscheiden um 20% steigern. Auch ohne Rafting – aber mit vielen gemeinsamen Aktivitäten, darunter natürlich auch zusammen zu Feiern.


Ich habe selber während meiner Zeit in Berlin mit einem Business Coach zusammengearbeitet, der mich auch beim Übergang in die nächste Lebensphase begleitete. Nach ausreichender Zeit zur Reflektion, Besinnung auf meine Persönlichkeit, auf meine Werte, meine Motivation und meine Stärken gepaart mit meiner Lust zu Lernen und meiner Lust zu Geben habe ich mich bereits frühzeitig zu einer Weiterbildung zum Business Coach entschlossen, und es bis heute nicht eine Sekunde bereut.


„Ich sehe meine jetzige Aufgabe darin, meine Erfahrungen aus über 30 Berufsjahren mit den in meiner Coaching Ausbildung erworbenen Kompetenzen und meinen Talenten zu kombinieren und damit Menschen mit Problemen im Job, Menschen mit Wunsch nach Veränderungen und in Ruhestand gehende Menschen eine hoffnungsvolle und positive Zukunft zu ermöglichen“.


Wenn ich nach meinen Coaching Sessions in die Gesichter meiner Klienten sehe, dann fühle ich mich an den Moment am Biertisch im Inntal nach unserer wilden Rafting Tour erinnert. Auch meine Klienten sehen nach dem Coaching irgendwie müde und erschöpft aus, aber gleichzeitig auch total glücklich und vollkommen beseelt vom Ergebnis unseres Coachings. Und erneut denke ich – ein besseres Gefühl kann es auf der Welt nicht geben als es Menschen zu ermöglichen, in eine hoffnungsvolle und positive Zukunft zu blicken.


Und um daran mitwirken zu können habe ich nach einer langen Karriere noch einmal mit etwas Neuem begonnen, anstatt meine Zeit auf dem Golfplatz zu verbringen - wobei Golfen und das „Beste Leben“ nicht zu kurz kommen sollten.

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