Wie wirken sich negative Glaubenssätze auf Führungskräfte aus?


Mit positiven Glaubenssätzen führen wir erfolgreich. Was aber, wenn Führungskräfte von negativen Glaubenssätzen geprägt sind? Lassen sich negative in positive Glaubenssätze umwandeln?



Es geschah auf einer langen Fahrt auf der Autobahn. Als Beifahrer hatte ich nicht nur die Hände, sondern auch meinen Kopf frei. Ich hatte einen Coaching Podcast eingeschaltet. Der Klient, eine Führungskraft im mittleren Alter, berichtete darüber, dass er sich neben der anstrengenden beruflichen Tätigkeit in vielen Organisationen wie z.B. Feuerwehr, Fußballverein und der örtlichen Schule engagiere und bei neuen Anfragen nicht nein sagen könnte. Der Coach, zugleich auch Psychologe, erkannte die Situation anscheinend sehr schnell und fragte seinen Klienten nach seiner Kindheit. Der Mann erinnerte sich an eine Situation, in der er eine fünf in Mathematik nach Hause brachte. Seine Mutter entgegnete ihm daraufhin, dass sie wegen ihm nach seiner Geburt ihre Karriere als Ärztin aufgeben musste. Als Dank würde er jetzt auch noch schlechte Zensuren nach Hause bringen. Der Coach erklärte dem Mann, dass das Verhalten seiner Mutter zum Glaubenssatz geführt hätte, dass er nichts wert sei. Und, dass er dies in seinem weiteren Leben dadurch kompensieren würde, dass er überall sehr engagiert sei und dadurch Anerkennung und Wertschätzung suchen würde.


Gedankenverloren dachte ich danach an meine eigene berufliche Entwicklung. Ich wurde nach Studium und bestandenen Steuerberater- und Wirtschaftsprüferexamen zum Partner befördert und hatte zunächst das Deutschlandgeschäft in den USA geführt, um danach den Bereich Gesundheitswirtschaft und alsdann den Bereich Startups in Berlin und der DACH Region aufzubauen und zu leiten. Danach wurde mir die Leitung der Region Ost übertragen mit Verantwortung für Strategie und Ergebnis sowie für über 250 Mitarbeiter. Ich hatte zuvor niemals über die Glaubenssätze reflektiert, die mein Verhalten und Handeln geprägt haben.


Welches Weltbild hatte wohl meine Kindheit und meine frühe Jugend in mir erzeugt? Welche Glaubenssätze haben sich daraus entwickelt, die mich auf diesem Weg gesteuert hatten? Die Fahrt auf der Autobahn war noch lange nicht vorbei. Zeit also, eine Reise in die Vergangenheit zu starten.


Meine Eltern betrieben ein mittelständisches Textileinzelhandelsunternehmen in einer norddeutschen Kleinstadt. Unsere Wohnung lag direkt über dem Geschäft, um das sich alles Tag und Nacht drehte. Meine Mutter balancierte Verkauf, Einkauf, Buchhaltung, Haushalt, Freunde und Familie und war immer für alle da. Mein Bruder und ich liefen eher nebenher mit. Viel Zeit für Familienleben und Erziehung blieb daher nicht. Andererseits schenkten mir meine Eltern auch großes Vertrauen. Ich durfte bereits mit 16 Jahren beim Verkauf im Geschäft unterstützen, das Wareneingangsbuch führen und Überweisungen ausfüllen. Mein Vater nahm mich mit auf Messen nach Köln und Düsseldorf oder zum Einkauf nach Hamburg. In der Schule übernahm ich Aufgaben wie Kassenwart oder Klassenbuchführer, um bald darauf mit einem Freund als Schatzmeister einen Fotoclub zu gründen.


Ich analysierte: Welche Glaubenssätze hatten sich bei mir in dieser Zeit entwickelt?


Erstens: Durch das Vertrauen, das mir meine Eltern mit der sehr frühen Übertragung von Verantwortung gaben, besaß ich selten Zweifel daran, dass mir etwas nicht gelingen würde. Ich habe einfach gemacht und es hat irgendwie geklappt. Nicht immer perfekt, aber irgendwie dann doch.

Zweitens: Durch das Geschäft als Zentrum des Familiengeschehens und die dadurch zurückgesteckten eigenen Bedürfnisse meiner Eltern hat sich bei mir der negative Glaubenssatz entwickelt, eher im Hintergrund zu agieren und alles zu regeln. Das hat dem beruflichen Erfolg sicher nicht geschadet. Es führte aber dazu, meine eigenen Bedürfnisse zwar zu kennen, aber nicht danach zu handeln. Und Prioritäten falsch zu setzen. Was habe ich daraufhin geändert? Die typischen Glaubenssätze heutiger Manager habe ich bewusst über Bord geworfen: Ich habe in den Bereichen meine Stunden bewusst reduziert, in denen ich Verantwortung übertragen konnte. Dadurch wurden Mitarbeiter motiviert und Ihr Wachstum gefördert. Insbesondere aber habe ich kein Micromanagement mehr betrieben. So ergab sich mehr Zeit für Gespräche, Meetings und Feiern mit Mitarbeitern, für transparente Kommunikation, für persönliche Geburtstags- und sonstige Glückwünsche und natürlich strategische Überlegungen. Und für mich. Als Ergebnis sank die Fluktuation, stieg die Mitarbeiterzufriedenheit und der finanzielle Erfolg.

„Ich hatte das große Glück, überwiegend positive Glaubenssätze aus meiner Kindheit und meiner frühen Jugend auf den Weg bekommen zu haben. Ich hatte daher auch bei gelegentlichen Rückschritten eigentlich niemals Zweifel am beruflichen Erfolg. Viele Führungskräfte sind heutzutage auch wegen negativer Glaubenssätze überfordert. Die gute Nachricht: Man kann negative Glaubenssätze erkennen und überwinden.“

Glaubenssätze entstehen in unserer Kindheit und unserer frühen Jugend durch unsere unmittelbare Umgebung wie z.B. unsere Eltern, Verwandten sowie durch die Schule.

In diesem Alter nehmen wir Einflüsse jeglicher Art ungefiltert und unkritisch in uns als gegeben auf. Als Wahrheit. Es entsteht so ein Weltbild, das langfristig in unserem Unterbewusstsein gespeichert wird. Das Problem dieser Glaubenssätze im Erwachsenenalter ist, dass sie im Hintergrund unser Verhalten und Handeln bestimmen, ohne dass wir es mitbekommen. Obwohl sie oft jeglicher Grundlage entbehren und mit unserer Realität nichts zu tun haben.



Negative Glaubenssätze Positive Glaubenssätze

Ich schaffe es nicht, ich bin nicht gut genug Ich schaff das, ich bin gut genug


Die Welt ist grundsätzlich schlecht Alles ist gut, das Leben liebt mich Ich muss stark sein, ich darf keine Fehler machen Ich darf / mache Fehler.


Ich muss immer was zu tun haben Fähigkeiten um Erfolg zu haben


Ich werde nur geliebt, wenn ich Leistung bringe Alles was ich mache wird zum Erfolg

Ich habe immer Schuld Ich bin ein liebender Mensch


Ich muss ein guter Vater/eine gute Mutter sein Leistungen werden anerkannt


Im Leben bekommt man nichts geschenkt Es ist gut zu sein, der/die ich bin


Ich muss hart zu mir selber sein Das Geld liegt auf der Straße.

Man muss es nur einsammeln.



Tragen wir positive Glaubenssätze in uns, dann kann uns dies in unserer Rolle als Führungskraft durchaus nützlich sein. Sie wirken bestärkend, geben uns Mut und wir sind von Ihnen überzeugt. Es ist gut, sie zu haben. Wir haben vermutlich viel Erfolg, wenn wir zusätzliche Kernkompetenzen mitbringen und diese anwenden.


Andererseits werden uns negative Glaubenssätze als Führungskraft trotz bester Vorsätze und überragenden Fachkenntnissen ausbremsen und blockieren. Es nützt uns wenig, wenn wir von unseren bewussten Gedanken ausgehen. Oft wissen wir gar nicht, dass wir Glaubenssätze in uns tragen. Glaubenssätze sind äußerst hartnäckig. Einige begleiten uns schon das ganze Leben lang oder werden gar in der Familie von einer Generation an die nächste weitergegeben. Was also ist zu tun, wenn wir vermuten negative Glaubenssätze in uns zu tragen?



Erstens: Zunächst sollten wir beginnen zu reflektieren, welche negativen Glaubenssätze dies sein könnten. Selbstreflexion kann schriftlich passieren, man kann es alleine machen oder mit Unterstützung durch einen Coach, Mentor oder Freund. Man kann auf häufig verwendete Verallgemeinerungen achten, die eigene Biografie und insbesondere seine Kindheit und frühe Jugend durchleuchten, in der Familie populäre Redewendungen und Verhaltensmuster aufspüren, seine eigene Sprache hinterfragen und Menschen aus dem eigenen Umfeld um ihre Einschätzung bitten.


Zweitens: Haben wir festgestellt, negative Glaubenssätze in uns zu tragen, sollten wir diesen einem Reality Check unterziehen. Stimmen diese Glaubenssätze tatsächlich? Glaubenssätze bilden in der Regel nicht die Realität ab. Aber sie sind eben vorhanden. Und dann sollten wir starten, aus den vorhandenen negativen Glaubenssätzen positive zu entwickeln. Die gute Nachricht in diesem Zusammenhang: Es ist möglich. Die schlechte Nachricht: es geht nicht von heute auf morgen. Es braucht Zeit bis die neuen, positiven Glaubenssätze Gewohnheit werden und in unserem Unterbewusstsein angekommen sind. Fragen, die uns dabei helfen: Wie würde unser Leben sein, wenn wir die negativen Glaubenssätze überwunden haben? Wie bzw. was werden wir denken? Welche positiven Glaubenssätze werden wir haben? Was werden wir nicht mehr tun? Mit welchen Menschen werden wir zu tun haben und mit welchen nicht mehr? Wie wird unser Tagesablauf aussehen?


Es ist ein wenig wie eine positive „Gehirnwäsche“, die wir uns selbst verpassen. Aber die Methode „Fake it, until you make it“ hat schon aus etlichen Tellerwäschern Millionäre gemacht. Es lohnt sich also, festgefahrene Überzeugungen zu überwinden, um unsere Ziele schneller und leichter zu erreichen und eine „gute“ Führungskraft zu werden.


Glaubenssätze sind Kernüberzeugungen und Grundannahmen, die uns ein Leben lang begleiten und unser Verhalten und Handeln steuern. Unbewusst. Das Problem dieser Glaubenssätze im Erwachsenenalter ist, dass sie unser Handeln oft im Hintergrund bestimmen, ohne dass wir es mitbekommen. Obwohl sie oft jeglicher Grundlage entbehren und mit der Realität nichts zu tun haben. Das macht „gute“ Führung schwierig, wenn nicht sogar unmöglich.


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